Unzumutbare Tieflöhne für Kosmetik-Fachfrauen

Schlecht geschminkte Branche

In der Kosmetik-Branche leiden Frauen unter miesen Löhnen und schlechten Arbeitsbedinungen. Ein Normalarbeitsvertrag ist dringen.

Da staunten selbst erfahrene Unia-Leute, als sich kürzlich eine junge Berufstätige im Thurgau meldete. Die Frau ist in der Kosmetikbranche tätig. Sie beschwerte sich über schlechte Arbeitsbedingungen im Kosmetikstudio, wo sie arbeitet. So sind die Angestellten oft allein im Studio. Sie können keine Pausen machen, weil jederzeit eine Kundin kommen kann. Am Mittag müssen sie sich im Salon selber verpflegen. Das geht nur, wenn sie das Essen am Morgen  bei Arbeitsbeginn mitbringen. So kommen die Angestellten auf zehn und mehr Stunden pro Tag Präsenzzeit.

Miese Löhne

Umgekehrt zur langen Arbeitszeit ist der miese Lohn. Eine Lohnabrechnung zeigt, dass die Firma der Angestellten einen Monatslohn von lediglich 2’720 Franken zahlt. Und das für eine 100-Prozent-Stelle. Nach Abzug der  Sozialleistungen verbleibt noch ein Nettolohn von gut 2’300 Franken. Davon kann niemand leben. Die betreffende Firma mit Sitz im Tessin hat mehrere Studios in verschiedenen Kantonen und bietet Schönheitspflege an: Schminken, Pigmentund Haarentfernung, Hautstraffung, Gesichtspflege etc. Die Unia hat mit diesem Arbeitgeber schon schlechte Erfahrungen gemacht. In einem Fall zahlte er das Krankentaggeld nicht aus. Ein Rechtsstreit ist die Folge.

Dass in der Kosmetikbranche vieles im Argen liegt, ist seit längerem bekannt. Unia-Sekretär Stefan Brülisauer weiss von anderen Angestellten in dieser Branche, die mit Löhnen um die 3’000 Franken abgespiesen werden. «Dabei sind diese Frauen ausgebildete Kosmetikerinnen! » Die Unia verlangt jetzt, dass die Thurgauer Arbeitsmarktbehörden endlich eingreifen und dem verbreiteten Lohndumping in den Schönheitssalons und Kosmetikstudios ein Ende bereiten. Das Instrument dazu ist vorhanden: Der Kanton kann dort, wo verbreitet Tieflöhne bezahlt werden, einen Normalarbeitsvertrag (NAV) mit entsprechenden Mindestbestimmungen erlassen. Brülisauer: «Ein solcher NAV ist jetzt dringend nötig. Die Frauen in dieser Branche müssen endlich geschützt werden.»